Goldmarktkommentar 10.12.2012

Bullen und Bären bringen sich für 2013 in Stellung
Noch verbleiben einige Handelstage bis zum Jahresende. Der Goldpreis hat in den letzten Wochen wieder etwas nachgegeben und handelt bei Preisen von 1700 USD die Unze. Wie bereits in den letzten vier Jahren neigt der Goldpreis gegen Jahresende zur Schwäche. Dieser Rückgang verblendet den Blick auf die durchwegs positive Entwicklung des Goldpreises 2012. Bis heute konnte der Goldpreis in USD und EUR dieses Jahr um über +8% zulegen. Anleger sollten mit dieser Performance mehr als zufrieden sein. Alles andere wäre pure Gier!

Aussichten für 2013
Gold Bären und Bullen bringen sich für 2013 in Stellung. Während Goldman Sachs grosskotzig das Ende der Goldblase ankündigt, sieht Konkurrent Morgan Stanley den Goldpreis noch bis 1853 $ steigen.
Eine treffende Prognose zu tätigen ist ein Ding der Unmöglichkeit: die Experten sind sich uneins; die meisten Prognosen werden sich als falsch erweisen, einige als Glückstreffer.
Ich masse mir daher keine Prognose zu, da der Preis schlussendlich von Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Ob Anleger 2013 Gold eher kaufen oder verkaufen, hängt von vielen, zum Teil emotionalen, Faktoren ab, die unmöglich zu prognostizieren sind.

Wir können jedoch Faktoren betrachten, die die Stimmung beim Gold 2013 massgeblich beeinflussen können. (Vielleicht haben Sie dazu ja eine eigene, starke Meinung, die Sie zu einer Prognose verleitet)

  1. Der US-Dollar: Gold wird an den Märkten als Gegenpol zum USD betrachtet und gehandelt. Ein stärkerer Dollar schwächt das Gold und umgekehrt. Kann der USD 2013 Vertrauen und Boden gut machen, dürfte sich das negativ auf den Goldpreis auswirken. Trotz hoher Verschuldung gibt es auch kurzfristige Lichtblicke aus den Staaten: Die Arbeitslosigkeit geht langsam zurück und der Häusermarkt hat nach 5 Jahren Talfahrt endlich einen Boden gefunden. Steigende Häuserpreise würde die Bankbilanzen stark entlasten und mehr Geld könnte wieder der Wirtschaft zufliessen (der US-Häusermarkt ist der grösste Asset-Pool der Welt). Auch die Konsumentenstimmung könnte sich darob verbessern. Auf der anderen Seite geht es der US-Mittelschicht alles andere als rosig. Die Staatsschulden steigen ungebremst und Nullzinspolitik und unbegrenztes Gelddrucken (QE) schwächen den Dollar. Doch diese negativen Fakten sind bekannt und sollten bereits im derzeitigen Goldpreis enthalten sein.
  2. Der Euro: Die Eurokrise ist ungelöst. Dennoch hat die EZB der Politik viel Luft verschafft. Kann sich Europa über Jahre gesund sparen? Der Euro ist durch die Bereitschaft der EZB, im Notfall einzuspringen, klar gestärkt worden. Gegenüber den grossen Währungen hat der Euro 2012 nicht mehr an Wert verloren, sondern konnte sich halten. Entspannt sich die Lage (vor allem in Italien und Spanien) weiter, dürfte Gold eher zur Schwäche neigen. Droht hingegen eine neue Eskalation, gewinnt Gold als Notwährung wieder an Boden. 
  3. Zinsen und Inflation: Die ultra-lockere Geldpolitik hat bisher noch keine höher als übliche Inflation verursacht. Anleger schauen aber mit Argusaugen auf die Entwicklung der Inflation. Eine unkontrollierbare Inflation würde Gold als Krisenwährung deutlich Schub verleihen. Nur schon die Aussicht auf eine solche Inflation würde Anleger zum Goldkauf verleiten. Wird die Inflation dagegen von der Notenbank erfolgreich durch höhere Zinsen bekämpft, kann Gold auch wieder sinken. Steigende reale Zinsen sind Gift für Gold, da Gold keine Zinsen abwirft. Da aber die Weltwirtschaft nur mit halber Geschwindigkeit läuft, droht momentan weder vom Ölpreis noch von einer Lohn-Preis-Spirale eine Inflation auszugehen; die Entscheidung wird wohl noch nicht im Jahr 2013 anfallen.
  4. Zentralbanken haben jüngst wieder Gold gekauft. Allen voran Zentralbanken aus den Schwellenländer versuchen ihre Währungsreserven vom Dollar hin zum Gold zu diversifizieren (China, Brasilien, Türkei etc.). Doch die Notenbanken agieren vorsichtig am Markt und vermögen den Preis nicht massgeblich in eine Richtung zu lenken.
Es gibt also genügend Impulse, die den Goldpreis 2013 in die eine oder andere Richtung lenken können. Eine Prognose ist schwierig. Dennoch halte ich an meinen Goldbeständen und Goldaktien fest, weil ich nicht überzeugt bin, dass sich die Schuldenprobleme von USA, Japan, GB und Europa so einfach gelöst werden können. Gold ist für mich eine sinnvolle Absicherung gegen unvorhersehbare Risiken, und gehört als Beimischung in jedes Vermögen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern eine schöne Weihnachtszeit und bedanke mich für eure Treue.


Kommentare:

  1. Schöner Artikel, dankesehr. Aber zu Punkt 4: Leidergottes haben wir in dem letzten Monat gesehen wie eine Großbank eben doch, durch einen großen Goldwurf den Goldpreis gedrückt hat. Hat jemand eine Erklärung dafür, für was genau sie soviel Bares braucht? Immerhin drückte sie es von rund 1580 USD auf rund 1320 USD... Ein ganzschöner Haufen..

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  2. über die Gründe können wir nur rätseln. Mit einem grossen Auftrag kann der Markt kurzfristig sicher beeinflusst werden. Vor allem, wenn bei einer charttechnisch wichtigen Marke viele Stop-Loss-Aufträge für zusätzlichen Verkaufsdruck sorgen und die Käufer sich in den letzten Wochen doch eher zurückhaltend gezeigt haben. Doch der Preisschock und der tiefe Goldpreis hat auch eine riesige Nachfrage nach physischem Gold rund um den Globus ausgelöst und der Preis klettert wieder. Schlussendlich besteht der Markt aus Angebot und Nachfrage; eine kurzfristige Manipulation wird vom Markt wieder korrigiert. Langfristig ist der Markt meiner Meinung nach kaum manipulierbar. Als Privatanleger sollte man deshalb die täglichen Schwankungen nicht zu sehr verfolgen, sondern Gold als langfristige Wertanlage sehen.

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    1. Na klar, das geht schon, aber wenn du long Gold warst und der Hebel zu groß für die Verluste, weißt du ja was dein Broker mit dir macht.. :-) (Ich habs erlebt) Dies kann leider passieren, wenn man den Grund eines so großen Goldwurfes nicht kennt und es nicht rechtzeitig erfährt..

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