Indien prüft Goldverbot - 03.07.2012 Goldmarkt-Kommentar

Laut Zerohedge prüft Indien als erster Staat im 21. Jahrhundert die Einführung eines Goldverbots. Ein Goldverbot bedeutet, dass der Besitz von Münzen und Barren für Privatpersonen eingeschränkt wird und der Staat den Goldpreis sowie Ein- und Ausfuhren regelt. Bekannt wurde das Goldverbot in den USA als "Executive Order 6102". Aber auch andere Staaten griffen in Zeiten wirtschaftlicher Not zum Goldverbot, um die eigene Währung zu stärken.

Was ist genau der aktuelle Stand in Indien?
Indien kämpft mit einem immer grösseren Vertrauensverlust der Bevölkerung in die eigene Währung. Die Rupie gehört zu den wenigen Währungen, die sogar gegenüber dem Euro in den letzten 3 Jahren an Wert verloren haben. Budgetprobleme, schwächeres Wachstum und Inflation sind die grössten Sorgen der Indischen Währungshüter. Darüber hinaus gelten Inder traditionell als "Goldkäfer". Goldschmuck wird als Hochzeitsgeschenk (Mitgift) gekauft oder in Form von Münzen gespart. Bis vor kurzem war Indien auch der grösste Goldkäufer der Welt (neu China). Auch ein Einfuhrzoll und Streiks der Goldverkäufer konnten den Ansturm der Inder auf Gold nicht bremsen. Die schwache Währung sorgt in Indien für neue Rekordstände des Goldpreises.



Goldpreis in Indischer-Rupie auf Rekordhoch (27.06.2012)

Das ruft die Indische Notenbank (RBI) auf den Plan. Sie will den Goldrausch bremsen und die Rupie stärken. Sie forderte die Indischen Banken auf, den Import von Goldmünzen zu stoppen - mit wenig Erfolg. Die Banken forcieren das Münzgeschäft weiter, schliesslich verdienen sie darauf gute Margen. Also wird die RBI wohl dem Goldhandel ein Riegel schieben und den Goldhandel kurzerhand verbieten.

Fazit:
Leider löst die indische Reaktion das eigentliche Problem der Wirtschaftsflaute in keinstem Fall. Die Massnahme wird sich sogar negativ auswirken, so wie es staatliche Eingriffe in den Markt immer tun: Das Vertrauen in Staat und Währung wird weiter geschwächt und die Notenbank zu härteren Schritten gezwungen sein, welche die Bevölkerung noch mehr schmerzen werden. Dies weckt Erinnerungen an solch negative und drastische Massnahmen wie den "Executive Order 6102". Dass ein Goldverbot ein Relikt aus dem 20. Jahrhundert ist und im 21. Jahrhundert unwahrscheinlich ist, mag zurecht bezweifelt werden. Der tobende Machtkampf zwischen Kapitalmarkt und überschuldeten Staaten führt unweigerlich zu einer Eskalation, bei der auf beiden Seiten nur Verlierer stehen können. Dabei geht oft vergessen, dass der Staat schlussendlich am längeren Hebel sitzt und im Notfall Vermögenswerte wie Gold, Immobilien und Aktien kurzerhand verstaatlichen oder mit hohen Steuersätzen schleichend enteigenen kann. Wie reagieren die Anleger darauf? Logischerweise wird Gold und auch Wertpapiere rechtzeitig ausser Landes gebracht und in sicheren Häfen deponiert (Singapur, Schweiz, London etc). Eine Kapitalflucht bricht der Währung aber unweigerlich das Genick und der Staat wird eine solche mittels Kapitalverkehrskontrollen zu unterbinden versuchen. Kommt diese Spirale des Misstrauens der Bürger in den Staat und des Staats in den Bürger erst mal zustande, ist sie wohl kaum mehr aufzuhalten. Hoffen und beten wir, dass es in Europa nicht so weit kommt!

Goldpreis weiter stabil
Der Goldpreis in USD verharrt um 1600$ in Lauerstellung. Die Investoren sind noch nicht bereit höhere Preise fürs Gold zu zahlen, solange nicht absehbar ist, wohin die Reise von Euro und Dollar geht. Greifen die Rettungsmassnahmen endlich? Kommt ein neues Gelddruckprogramm QE3 in den USA? Diese Fragen bleiben unbeantwortet und ergo bleibt der Goldhandel ruhig.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen