Preistreiber von Gold

In den letzten Tagen wurde in der Fachpresse wieder vermehrt über die weitere Entwicklung der Goldpreise gefachsimpelt. Goldjünger und Goldskeptiker wetzten dabei die Klingen. Auch zahlreiche Bankhäuser gaben Kommentare und Kursziele ab. Bei all den Prognosen zum Goldpreis, die niemals alle erfüllt werden können, tut es gut, sich zurückzulehnen und das ganze aus der Vogelperspektive zu betrachten. Was sind nochmals die Preistreiber von Gold, die veranlassen, dass der Goldpreis steigt oder sinkt?

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Eigentlich gibt es nur einen Preistreiber, der langfristig den Goldpreis bewegt: Angebot und Nachfrage. Kurzfristig aber wird der Markt vor allem durch emotionale Faktoren geprägt. Eine neue Nachricht wird von den Marktteilnehmern positiv oder negativ eingeschätzt. Entsprechend kaufen oder verkaufen die Finanzhändler Gold. 

Pro Gold

Angst vor Währungskollaps: Das zurzeit am meisten gehörte pro-Gold Argument ist die Angst vor einem Kollaps von überschuldeten Währungen wie Euro, US-Dollar, Britischem Pfund und Yen. Gold bietet eine Absicherung gegen einen Wertzerfall von Papiergeld. Damit ist das Edelmetall wie eine Art Versicherung zu sehen, um sich gegen das Schlimmste abzusichern. Wenn man also von einer Abschaffung des Euros oder einem Wertverlust des Dollars ausgeht, bietet Gold eine gute Versicherung gegen dieses Risiko. Falls das Szenario aber nicht eintritt, könnte auch ein Wertverlust im Gold eintreffen!

Inflation und Hyperinflation: Eine Inflation ist eine schleichende Entwertung des Geldes. Mit dem Geld kann man immer weniger Güter kaufen, die Preise steigen. Eine Hyperinflation dagegen ist ein nicht mehr zu stoppender Galopp der Inflationsraten. Das Vertrauen in die Währung ist derart zerstört, dass das Geld so schnell wie möglich in Güter umgetauscht wird, weil die Preise im Monats, Tages oder gar Stundentakt zulegen.

Krieg: In einem Kriegsfall wird Gold gesucht sein und im Preis steigen. Die Ungewissheit ist so gross, dass man nicht mehr sicher sein kann, welche Staatsanleihen, welche Währung oder welche Aktie noch einen Wert hat und was zerstört, zwangsverstaatlicht und enteignet wird. Gold im Safe bietet hiervor einen guten Schutz.

Steigende physische Nachfrage: Gold wird nicht nur in den Tresor gelegt, sondern aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften wird es auch in der Elektronik, der Optik und der Medizin eingesetzt. Dazu kommt eine grosse Schmucknachfrage vor allem aus Asien.

Produktionsrückgang: Der Grossteil der leicht zugänglichen Goldminen ist bereits erschöpft und die Förderung wird immer teurer. Goldminen entstehen auf dem Meeresgrund oder in 5000 Meter tiefen Schächten in Südafrika. Die Produktion ist tendenziell rückläufig. Wenn eine rückläufige Produktion auf eine steigende oder stabile Nachfrage trifft, ist das preistreibend.

Einmaliges Gut: Gold ist ein einmaliges und begrenztes Gut. Mit Gold lässt sich ein Vermögen auf einem kleinsten Raum aufbewahren und es bleibt über Jahrtausende haltbar. Andere Arten von Vermögen sind vergänglich oder sperrig: Eine Währung kann abgeschafft werden, eine Anleihe nicht zurückbezahlt werden, eine Aktie Konkurs gehen, ein Haus kann abbrennen und ein Wald von Dürre oder Schädlingen geplagt werden. All diese Eigenschaften machen Gold einmalig.

Contra Gold
 
Deflation: Eine Deflation ist ein stetiger Anstieg von Geld. Waren und Dienstleistungen sinken also im Preis und zwar über längere Zeit. Eine Deflation ist für die Wirtschaft sehr hemmend, weil das Geld nicht ausgegeben wird, da die Preise ja immer weiter fallen. Deflation kann auch dadurch entstehen, dass Wertanlagen wie Aktien, Immobilien und Rohstoffe in eine stetige Abwärtsspirale fallen, wie uns das Beispiel Japans lehrt. Auch Gold wäre wahrscheinlich im Falle einer weltweiten Deflation nicht vor einem Preisrückgang gefeit.

Nachfragerückgang: Als grösstes Risiko für einen Preisrückgang beim Gold gilt ein deutlicher Nachfragerückgang. Aufgrund der starken Entwicklung des Goldpreises seit dem Jahr 2000 und der grossen Beliebtheit, über die sich das Edelmetall bei Anlegern erfreut ,ist bereits ein Grossteil der Ängste und Negativerwartungen in den Preisen enthalten. Sollte sich die Stimmung an den Finanzmärkten aufhellen und das Vertrauen in Währungen, Staatsanleihen und Aktien zurückkehren, wäre das für den Goldpreis sicher negativ.

Produktionsanstieg: Kommt durch einen Produktionsanstieg oder durch Verkäufe von Notenbanken eine grosse Menge Gold auf den Markt, wird der Goldpreis fallen, sofern die Nachfrage nicht ebenfalls im Steigen begriffen ist. Neben der Produktion von Gold aus Minen ist auch zu beachten, das Gold nicht weggeworfen wird, sondern dass ein Grossteil des Goldes wieder recycelt wird! So machen Juweliere und Goldhändler einen Goldankauf von Goldschmuck, Golduhren und sogar Zahngold. Das so wiedergewonnene Gold gelangt wieder auf den Markt und erhöht das Angebot.

Geringer Nutzen von Gold: Mit Ausnahme einer kleinen industriellen Nachfrage, hat Gold eigentlich keinen Nutzen. Es ist zwar schön zum anschauen und eignet sich als Wertaufbewahrungsmittel. Aber ansonsten ist es für den Menschen eigentlich nicht von einem echten Nutzen. Man kann Gold nicht essen wie Reis oder Mais, man kann es nicht verbrennen, wie Öl oder Holz, man kann auch kein Haus damit bauen. Gold wirft auch keinen Zins und keine Dividende ab, von der man sich ein Einkommen finanzieren kann.

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